Pflegetagegeldversicherung – Ergebnis bei Öko-Test fraglich

Pflegetagegeldversicherungen sind ein sehr wichtiger Bestandteil der Vorsorge. Um den richtigen Anbieter zu finden, verlassen sich viele Verbraucher auf Testergebnisse bekannter Medien wie Öko-Test, Finanztest oder WISO Tipp. Doch die Ergebnisse erstaunen den Profi. Warum?

Wer testet wie?

Finanztest als Ableger der Stiftung Warentest hat sich auf Produkte von Banken, Bausparkassen und Versicherungen spezialisiert. Sie testet Produkte nach ihren eigenen Vorgaben. Wo sie jedoch ihre Prämissen setzt, und ob dies wirklich aus Verbrauchersicht sinnvoll erscheint, bleibt oft ein Geheimnis. Manchmal ist das Ergebnisse sogar so fehlerhaft, dass eine Ausgabe wieder aus dem Verkehr gezogen werden musste.

Öko-Test verlässt sich in seinen Ergebnissen meist auf Recherchen von Drittanbietern. Dies ist zunächst löblich, kann doch eine Testzeitschrift unmöglich alle Produkte selbst vergleichen, die sämtliche Lebensbereiche betreffen. Neben Geld geht es auch um Ernährung, Freizeit, Kinder, Kosmetik, Bauen und Gesundheit.

Was wurde getestet?

In der Ausgabe April 2015 der Öko-Test wurden Pflegetagegeldversicherungen von 24 Anbietern mit 104 Tarifen einem Test unterzogen. Die Daten stammen von dem Analysehaus KVpro.de GmbH aus Freiburg im Breisgau. Neben den geförderten Pflegetagegeldprodukten (Pflege-Bahr) wurden auch ungeförderte Produkte miteinander verglichen.

Pflege-Bahr

Die geförderten Pflegetagegeldversicherungen sind trotz der Förderung von 5 Euro im Monat verhältnismäßig teuer. Das liegt daran, dass die Versicherer keine Risikoprüfung vornehmen dürfen und einem Kontrahierungszwang (Annahmezwang) unterliegen. Dies macht die Beitragskalkulation unsicherer, da hier Risikopatienten mit erheblichen Vorerkrankungen nicht aus selektiert werden können. Außerdem sind die versicherbaren Tagessätze im Bedarfsfall kaum als ausreichend anzusehen. Das funktioniert vielleicht gerade einmal bei Menschen unter 25 Jahren Eintrittsalter.

Der fragwürdige Test-Sieger

Öko-Test kam nun zu dem für mich nicht nachvollziehbaren Gesamtsieger HanseMerkur Krankenversicherung AG, und dies sogar bei allen 3 Altersgruppen 1 Jahr, 35 Jahre und 65 Jahre. Offensichtlich stand hier eher der (momentan günstige) Monatsbeitrag im Vordergrund statt der verbindlichen Leistungsinhalte. Ein Münchener Verein oder eine R+V Krankenversicherung schnitten wesentlich schlechter ab (Rang 6, Rang 5), obwohl deren Leistungen weit umfangreicher sind.

Welche Mängel hat das Angebot der HanseMerkur?

Der Tarif PA weist aus meiner Sicht folgende Schwächen auf, die es bei Abschluss zu beachten gilt:

  • keine Leistung bei stationärem Aufenthalt (Krankenhausbehandlung und Reha-Maßnahme)
  • Leistungsausschluss bei Suchterkrankungen
  • keine verbindliche Aussage zur Weiterversicherung aufgrund Änderungen in der gesetzlichen Pflegeversicherung (SGB XI)
  • enge Definition der vom Versicherer anerkannten Leistungserbringer
  • Anzeige der Pflegebedürftigkeit innerhalb nur 10 Tagen (Obliegenheit)
  • starre Prozentsätze in den Pflegetagegeldstufen (25 Prozent in Stufe I, 50 Prozent in Stufe II und 100 Prozent in Stufe III)
  • in der Demenzstufe 0 ebenfalls nur 25 Prozent Leistung fix
  • kein weltweiter Geltungsbereich

Interessanterweise sind dies Leistungskriterien, die der zitierte Münchener Verein bietet. Warum hier allerdings nur der Rang 6 vergeben wurde, weiß wohl nur KVpro.de.

Wenn Sie eine objektivere Auswahl wünschen, die sich nicht vom Prämienniveau leiten lässt, dann fordern Sie mich! →Kontakt

 

 

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.